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Januar 2007


Winterwetter

Winterschlaf auf der Quinta!

Nachdem wir auch im Januar noch zwei Gäste bewirteten, die ihre Entdeckungsreise der Azoren bei uns beendeten, wurde es sehr ruhig auf der Quinta.
Theresa fiel in eine Art Winterschlaf, der sich in einem geringen Tatendrang, vielen Stunden Schlaf, vor dem Ofen sitzen und lesen oder einfach so die Zeit verstreichen lassen äusserte. Peter hingegen ging angeln (leider ohne einen Leckerbissen mit nach Hause zu bringen...) oder werkelte in Haus und Garten zufrieden vor sich hin, je nach dem, was das Wetter zuliess. Oft war es winterlich grau und nass, manchmal stürmisch und kalt: so richtig Winter halt. Es gab sogar Stimmungen, die uns den Eindruck vermittelten, als würde es demnächst schneien und längst nicht an jedem Tag sahen wir das Meer, weil der Nebel so dicht war. Die heftigen Regenfälle hatten immerhin den Vorteil, dass sie uns die undichten Stellen an unserem Neubau sichtbar machten. Das war nicht besonders angenehm, aber nützlich.
Das Verblüffende jedoch passierte jeweils, wenn diese trüben Tage plötzlich durchbrochen wurden durch strahlend schöne, sonnig warme Abschnitte. Dann zwitscherten die Vögel wie im Frühling um die Wette, die verschiedenen Blautöne von Himmel und Meer überboten sich gegenseitig in ihrer Schönheit, der knallgelb blühende Klee setzte üppig seinen Farbakzent, das Sonnenlicht verzauberte die Wasseroberfläche in einen glitzernden, schillernden Anziehungspunkt in der Ferne, uns wurde in unseren dicken Pullovern sofort zu warm und das Depressive der vorangegangenen Tage war flugs vorbei und vergessen...
Das unverhofft herrliche Wetter beflügelte unsere Phantasie dermassen, dass wir unser bisheriges Konzept für die Nutzung all unserer vielen Räume nochmals total über den Haufen geworfen und begonnen haben, neu zu planen.


Februar 2007


Katzen- und Vogeltränke

Neuerungen drinnen und draussen!

Für uns ist es jedesmal wie ein Wunder, wenn irgend etwas Grösseres, was wir uns aus Mitteleuropa schicken lassen, schliesslich wohlbehalten hier ankommt – zumal per Schiff und im Winter: unser neues Sofa hat es reibungslos und unversehrt geschafft und ermöglicht uns nun bequeme, kuschelige Abende vor dem Kamin.
Derweil entstand im Garten unter kundiger Hand eine neue Natursteinmauer mit kleiner Treppe (noch mehr Stufen!). Auch da gab es zu Staunen: die zwei jungen Männer arbeiteten schnell und äusserst kompetent, sodass bereits nach kurzer Zeit ein guter Teil der Mauer sichtbar war und sie dann auch im Handumdrehen fertig wurde.
Für Aussenstehende mögen solche Ereignisse belanglos erscheinen, aber es sind Errungenschaften, die hier halt nicht all zu einfach zu kriegen sind und deshalb für uns besondere Bedeutung haben.
Die Reiseaktivitäten in unserer kleinen deutschen Gemeinde waren in diesem Monat bemerkenswert: immer wieder ging jemand fort oder jemand anderer kam zurück, sodass wir mit Abschiedstouren resp. Begrüssungsessen gut beschäftigt waren. Auch Peter packte Mitte Monat den Koffer für den regelmässigen Besuch bei seiner Mutter in Deutschland. Wiederum nützte er die Gelegenheit, um in der grossen weiten Welt hunderttausend lebenswichtige Dinge einzukaufen, während Theresa bei leider ausnehmend schlechtem Wetter Haus, Hof und Katzen hütete, es jedoch nicht versäumte, sich auch dieses Mal mindestens an einem Abend vom Karnevalsfieber anstecken zu lassen.
Und so langsam werden auch die Konsequenzen unserer neuen Raumplanung deutlich: ab nächstem Sommer werden wir nicht mehr die Casa Corvo als Gästehaus anbieten, sondern die Casa Pico. Ausschlaggebend für diesen Entscheid ist deren deutlich attraktivere Lage mit Terrasse und Sicht aufs Meer. Das hat zur Folge, dass wir die Casa Corvo für eigene Zwecke nützen werden und sich somit unser Bereich von demjenigen der Gäste besser trennen lässt.



März 2007


Ponta Delgada

In der Hauptstadt, im Garten und im Spital!

Ein bisschen Abwechslung darf auch bei uns von Zeit zu Zeit sein!
Auch deshalb trafen wir uns auf Peters Heimreise in der Hauptstadt der Azoren Ponta Delgada auf Sao Miguel. Zum Ersten wollten wir da Leute besuchen, die wir erst vom Internet her kannten und zum Zweiten gibt es immer noch dies und das einzukaufen.
Zuerst fuhren wir in den Westen der Insel, wo wir bei Norbert, einem deutschen Vermieter, zweimal übernachteten und die Gelegenheit nutzten, um uns ausführlich mit ihm zu unterhalten und unsere Erfahrungen auszutauschen. Er vermietet im einen Haus Zimmer und im anderen Apartments an Feriengäste. Beide Häuser sind sehr schön gelegen mit gepflegten Grundstücken. Besonders eindrücklich war für uns der eine Garten, der bereits vor 25 Jahren angelegt wurde und deshalb z.B. über eine bestimmt drei Meter hohe (blühende!) Kamelienhecke verfügt. Da müssen wir uns mit unseren Zwergpflanzen wohl noch ziemlich gedulden...
Am Sonntag waren wir dann mit Annette und Beat, einem Ehepaar aus der Schweiz, verabredet, welches sich vor einem Jahr ebenfalls in diesem Zipfel der Insel auf einem riesigen Grundstück niedergelassen hat mit der Absicht, darauf ein Haus zu bauen und das restliche Land naturnah zu nutzen. Bereits jetzt wächst dort alles an Früchten, was man sich nur wünschen kann: Bananen, (Riesen-)Avocados, Feijoas, dunkle Feigen, Baumtomaten, Orangen, Guaven, Zitronelle, Cayotas und vieles mehr. Und die Zwei sind zudem in guter Gesellschaft von zwei Katzen, zwei Hunden, fünf Hühnern, einem Güggel und zwei Bienenvölkern. Auch mit ihnen (natürlich nicht mit den Bienen...) haben wir uns lange unterhalten und es war, als würden wir sie schon lange kennen. Diese freundnachbarschaftlichen Besuche haben uns gut getan. Theresa genoss es, wieder einmal "schwyzertütsch z’schnädäre" und wir beide freuen uns sehr über die persönlichen Kontakte, die wir gerne aufrecht erhalten wollen.
Den Rest der Woche haben wir mit Einkaufen und durch die Stadt flanieren verbracht und dabei ganz nützliche Entdeckungen gemacht.
Kaum zu Hause, wurden wir intensiv im Garten gebraucht: säen, pflanzen, jäten, umtopfen, Bäume schneiden, mähen, umgraben und was der schönen Dinge mehr sind...
Peters Geburtstag feierten wir seinem Wunsche entsprechend in trauter Zweisamkeit unspektakulär und friedlich zu Hause.
Kurz danach nahm er den Gartenzaun in Angriff, den er aus Holz anfertigen will. Leider hatte er sich aber bei dieser Arbeit trotz aller Vorsichtsmassnahmen mit der Fräse den linken Daumen so sehr verletzt, dass er eine Zeit lang gerade ganz ausfiel. Zum Glück handelte es sich "nur" um eine Fleischwunde, diese aber umso hässlicher und nicht zu nähen, weil total ausgefranst. Und bei uns beiden sass der Schreck tief... Im hiesigen Gesundheitszentrum hatte man und frau sich jedoch professionell und effektiv um eine reibungslose Heilung der üblen Verletzung gekümmert, sodass eine zunehmende Besserung zu verzeichnen ist. Und was lernen wir daraus? Auch das harmlose Landleben kann mitunter ganz schön gefährlich sein!


April 2007


Katzen

Die einen räkeln sich, die anderen arbeiten!

Unser Traum vom handwerkerfreien Leben ist bereits wieder ausgeträumt, denn nun wird die Casa Pico sorgfältig neu gestrichen, damit wir sie anschliessend als Gästehaus herrichten können.
In unserer zukünftigen Küche sind Wasser-, Gas- und Stromanschlüsse leider noch nicht ganz passend, da aus diesem Raum ja ursprünglich Peters Werkstatt hätte werden sollen! Entsprechend war die Planung und erfolgte der Bau, nun mussten eine Türe versetzt, die Wände aufgerissen, neue Stromkabel eingezogen und Löcher für Dampfabzug und Gasleitung gebohrt werden.
Derweil hat uns der Schreiner an der unteren Hausfront die Fensterläden montiert.
Im Garten baut Peter sich einen de luxe Arbeitstisch und erstellt ein Bewässerungssystem, das ihm das tägliche Giessen etwas erleichtert, immer wenn er nicht gerade mit Jäten oder Mähen beschäftigt ist. Sein Daumen heilt übrigens gut, sodass wir hoffen dürfen, dass von diesem Unfalll nicht mehr als der Schreck und ein paar Narben übrig bleiben.

Mitten im Monat zeigte sich der Pico nochmals mit einer dicken Schneekappe, was uns dazu veranlasste, die diesjährige Fonduesaison mit einer Einladung abzuschliessen. Kulinarisch ging es uns überhaupt wieder einmal sehr gut: wir schwelgten in selbstgemachtem Fleischkäse, bei dem es sich die zwei Produzenten zur Aufgabe gemacht hatten, in schmackhaft, jedoch ohne Zugabe von Schweinefett resp.. -fleisch herzustellen, was ihnen ausgezeichnet gelungen ist!
An einem anderen Tag wurden wir zu einem tollen Gänsebraten eingeladen. Dazu kommt hier nur, wer selber Gänse hält oder eben wir als Mitesser.

Am 25. April wird in Portugal der sog. Nelkenrevolution von 1974 gedacht und deshalb überall gefeiert. Hier auf der Insel war die ganze Bevölkerung (wieder einmal gratis...) zu einer Sardinhada eingeladen (leider gibt es davon keine Bilder...). Auf einem grossen Picnic-Areal im Wald wurden auf zwei riesigen Rosten Berge von Sardinen gegrillt und dazu Inselwein und Brot angeboten. Der Inselpräsident liess es sich nicht nehmen, selber hinter den Grill zu stehen und für die Verköstigung "seines Volkes" zu sorgen. Überall standen Menschengruppen um Tische herum und verspeisten die köstlichen Fische unter Schwatzen, Scherzen und Lachen. Wir wurden sofort dazu gebeten und zwei, drei Männer kümmerten sich rührend um unser Wohl. Zur Unterhaltung gab eine Blasmusik ihr Bestes, was nicht ganz unseren Geschmack traf, aber hier einfach dazu gehört. Erneut staunten wir darüber, wie viele der Anwesenden wir noch nie gesehen hatten, aber auch über die beträchtliche Anzahl derer, die wir erkennend grüssen und ein paar Worte mit ihnen wechseln konnten. Als wir den Festplatz verliessen, kamen wir an einer Gruppe fesch herausgeputzter und geschmückter Esel vorbei, die unter einer Baumgruppe angebunden geduldig auf ihre Besitzer und Reiter warteten. In der Ferne nahmen wir ein sich schnell näherndes Grollen wahr und schon donnerte die Vorhut des Motorradklubs auf beachtlichen Maschinen heran. Ihr folgte ein langer Zug unterschiedlichster Modelle von der Easy Rider – Harley, und ganz "normalen" Hondas, BMWs etc. über Enduros bis hin zu den vierräderigen Quads - eine nicht endenwollende Kolonne. Wir waren völlig perplex über den Grossauftritt dieser modernen Reiter in perfekter Ausrüstung mit attraktiven Sozia und mit auf Hochglanz polierten Boliden. Sie alle nützten den wunderschönen Tag für eine Inselrundfahrt, welche an der Sardinhada endete.


Mai 2007


Angra do Heroismo

Graciosa Mai 2007

Kirchliche und andere Feste im Mai!

Obwohl der Mai dicht befrachtet war mit unterschiedlichsten Ereignissen, gibt es davon leider, leider wieder einmal keine Bilder! Unsere Fotokamera enttäuscht uns fortwährend, läuft sie doch einfach nicht automatisch mit uns mit...

Zu Beginn des Monats gönnten wir uns eine Auszeit auf der Nachbarinsel Terceira – einerseits um den Geburtstag von Theresa zu feiern, andererseits einfach, um mal weg zu kommen. Zu Hause fällt es uns unendlich schwer nichts zu tun, zu faulenzen, zu lesen, herum zu trödeln. Dafür guckt uns zu viel Arbeit aus allen Ecken an – sei es im Haus oder im Garten. Auf Terceira jedoch gelang uns der Müssiggang bei herrlichem Frühsommerwetter spielend und wir haben uns in den wenigen Tagen richtig gut erholt.

Ein Tag vor unserer Abreise nach Terceira feierten wir jedoch noch den runden Geburtstag eines unserer Freunde mit einem Feuertopf, was in etwa einem sehr reichhaltigen Fondue chinoise entsprach und uns alle total begeistert hat.
Es ist überhaupt bemerkenswert, wie viele "Stiere" (nebst den "wilden" auf den Weiden...) es auf unsere Insel verschlagen hat! Wir sind jedenfalls aus dem Geburtstage feiern fast nicht mehr herausgekommen.

Während einer Woche haben wir uns jeweils vormittags ins Thermalbad zurückgezogen und uns dort genüsslich für eine Viertelstunde in die Wanne gelegt, um das warme heilende Wasser, die Stille und das Alleinsein auszukosten – herrlich!

Pfingsten (Espirito Santo) wird auf den Azoren ganz besonders gefeiert und ist wohl das wichtigste kirchliche Fest vom ganzen Jahr überhaupt. Es würde zu weit führen, hier alle Details der Feierlichkeiten und ihre Bedeutungen zu beschreiben, zumal sie sich auch uns erst so nach und nach erschliessen.
Am Nachmittag des Pfingstsonntags wurden wir jedoch von unserer einheimischen Freundin zum traditionellen Pfingstessen bei ihrer Mutter eingeladen, was uns als eine ganz besondere Ehre erschien.
Die Mutter bewohnt das Obergeschoss ihres riesigen alten herrschaftlichen Hauses, wie sie in Santa Cruz verschiedentlich anzutreffen sind. Bei der Wohnung handelt es sich um mindestens 8 Zimmer, Küche und Bad (was wir davon gesehen haben...), die alle mit auserlesenen antiken Möbeln, Nippes, Textilien, Devotionalien, Bildern etc. eingerichtet sind. In deckenhohen Schränken – und die Räume sind hoch – "drängen" sich edles Porzellan und wertvolle Gläser, in der Hausbar alte, gut gereifte gebrannte Wasser und dunkler Wein und überall zieren Fotos von noch lebenden und bereits verstorbenen Familienangehörigen Ablagen und Konsolen. Diese riesige Wohnung wirkt überaus liebevoll eingerichtet und gepflegt, obwohl ihre Besitzerin sich nur mühsam an zwei Stöcken darin bewegen kann! Trotzdem hatte sie für uns alle (9 Personen) das Pfingstessen alleine zubereitet, welches aus einer währschaften Fleischsuppe mit Brot und Gemüse und anschliessend einer Gemüseplatte mit Fleisch und Wurst ( vielleicht am ehesten mit Pot-au-feu zu vergleichen) und gemischtem Salat bestand. Zum Nachtisch gab es den ebenfalls für diese Gelegenheit traditionellen Arroz doce mit Massa doce. Arroz doce macht sich wie Milchreis, nur dass man am Schluss noch Eigelb unterrührt, damit die Masse fest wird. Oben drauf wird Zimt gestreut. Bei der Massa doce handelt es sich um einen Kuchen aus süssem Hefeteig, auf den dann eine Portion Arroz doce kommt, bevor beides genüsslich verzehrt wird. Es lässt sich unschwer vorstellen, WIE satt wir nach diesem Essen waren und WIE dringend wir anschliessend als Verdauungshilfe einen alten Aguardente graciosense brauchten...

Fast am Ende des Monats sind wir dann auch noch stolze Grosstante / -onkel von Emma Lou geworden (noch ein Geburtstag im Mai!), der klitzekleinen, süssen Tochter von unserem Neffen Richi und seiner Partnerin Simone. Da können wir nur sagen: riesengrosse Freude herrscht!!


Juni 2007


Erntezeit

Graciosa Juni 2007

Und plötzlich ist im Leben nichts mehr wie es war...


Der Beginn des Monats stand vor allem unter diesem einen "Stern": IKEA!
Zu dritt hatten wir im März ganz euphorisch bei IKEA Lissabon eine Mammutbestellung aufgegeben, nachdem wir erfahren hatten, dass sie die Waren bis zu uns auf die Inseln senden würden. Der eigentliche Bestellprozess dauerte bis Mitte Mai und nach öfterem Nachfragen von unserer Seite wurde uns schliesslich mitgeteilt, unsere Waren wären jetzt unterwegs zur Speditionsfirma für die Seefracht. Zum Glück hatte man uns vor dem Verschiffen von dort noch angerufen, sonst wäre unsere Habe – der Adresse auf der Rechnung folgend! – fröhlich auf die Insel Corvo geschippert worden, die immerhin 300 km von hier entfernt liegt! Wegen schlechtem Wetter verzögerte sich dann aber die Anlieferung durch das Containerschiff und auch für das Ausräumen des Containers musste ein mehr oder weniger trockener Moment abgewartet werden. Wir sassen mittlerweile alle wie auf Nadeln!
Und dann der grosse Tag: 10 m2 Ware wurde angeliefert und unsere zukünftige Küche verwandelte sich sofort in ein Warenlager mit emsigen Treiben. Wir sortierten alles aus, machten drei Haufen und siehe da: gar nichts fehlte! Ausser ein paar kleineren Transportschäden waren die Dinge in Ordnung und alle zogen schwer beladen, zufrieden und – vor allem die Männer! – in spürbarer Vorfreude aufs Zusammenbauen von dannen. Peter fotografierte eine strahlende Angelika (O-Ton: "... wie ein Honigkuchenpferd!")vor ihrer Wegfahrt hinten in ihrem Renault ohne im Geringsten zu ahnen, dass...
Nun lagen also unsere Kücheneinrichtung und etwelche Schränke, um endlich die gewünschte Ordnung zu schaffen, zerlegt und in Kartons verpackt zu unseren Füssen. Sofort machten wir uns systematisch ans Auspacken und Aufbauen, von unseren Freunden hörten wir über Tage nichts, die waren genau so am heimwerkern wie wir!

Bis zum Anruf von Fritz.
Er bat uns, sofort vorbei zu kommen, Angelika hätte wohl einen Hirnschlag erlitten. Und dann überstürzten sich die Ereignisse. Angelika wurde sofort mit der Ambulanz ins Gesundheitszentrum gefahren, von wo sie nach heftigen Krampfanfällen bereits bewusstlos nach 4 zermürbenden Stunden mit einer Militärmaschine ins Spital auf der Nachbarinsel Terceira gebracht werden konnte. Fritz und Theresa begleiteten sie, während Peter zu Hause alle notwendigen Vorkehrungen traff: das Haus von Angelika und Fritz abschliessen, welches wir gemeinsam Hals über Kopf verlassen hatten, den jungen Hund bei Freunden unterbringen, auf Terceira eine Hotelübernachtung organisieren etc. Auf der Notfallstation im Spital von Angra stellte man bei Angelika eine massive Hirnblutung fest, schloss sie an ein Beatmungsgerät an und brachte sie auf die Intensivstation. Obwohl sie am folgenden Tag bereits wieder selber atmete, machten die Ärzte Fritz keine Hoffnungen und prognostizierten ihren baldigen Tod.
Diese Nachricht hat uns alle von der "deutschen" Gemeinde sehr betroffen, traurig und niedergeschlagen gemacht. Es war kaum möglich, an irgend etwas anderes zu denken, als an Angelika und Fritz.
Inzwischen sind gut zwei Wochen vergangen und Angelika lebt immer noch, obwohl keine lebensverlängernden Massnahmen eingesetzt wurden. Sie ist nach wie vor im Koma, ihr Zustand hat sich jedoch stabilisiert. Die behandelnden Ärzte stehen vor Rätseln, sodass sie über einen möglichen Krankheitsverlauf schon gar keine Aussagen mehr zu machen wagen und sie können sich die Geschehnisse auf keine Art und Weise erklären.
Und wir alle warten mit Fritz zwischen Hoffen und Bangen ab, wie sich die Situation weiter entwickelt...


Juli 2007


Friedhof auf Sao Jorge

So schmerzlich ist die Endlichkeit des Lebens.


Das mussten wir durch Angelikas Tod bitter erfahren: sie ist, ohne nochmals aus dem Koma aufzuwachen, am 4. Juli 2007 – erst 59 jährig - im Spital von Angra do Heroismo/Terceira gestorben.

Mit Wehmut und gleichzeitig dankbar denken wir oft an sie und vermissen sie sehr mit ihrer unkomplizierten Art, ihrem herzlichen, fröhlichen Lachen, ihrer Grosszügigkeit, ihrer selbstverständlichen (Gast-)Freundschaft, ihrem Dasein für Andere.
Und genau so wollen wir sie auch in Erinnerung behalten.


August 2007


Hauptstadt Santa Cruz

Graciosa August 2007

Gäste, Feste und Wein!

Wenn Beamte in Shorts und chicen Sonnenbrillen, Bankangestellte in offenen Hemden und saloppen Flipflops und der Chefarzt mitten am Tag mit Frau und Kindern gemütlich über die Praça spazieren, dann, ja dann ist AUGUST!
Im Gemeindehaus werden Schülerinnen als "Ersatz" für die ferienhalber abwesenden Angestellten eingesetzt, die einem äusserst charmant zu verstehen geben, dass sie von nix eine Ahnung haben. Einige ihrer Kollegen sitzen die Ferienwochen in der Touristeninformation ab, nehmen aber immerhin die Füsse vom Tisch, wenn jemand herein kommt. So läuft alles etwas lockerer in dieser besonderen Zeit und wir passen uns gerne den hiesigen Gepflogenheiten an. Nicht etwa, dass wir auf der Terrasse "unseres" Cafés ebenfalls die Füsse auf den Tisch legen würden, bewahre, aber auch wir nehmen alles etwas gelassener, sitzen öfter im Café, halten Maulaffenfeil und hier und dort einen Schwatz mit Bekannten, die wir wesentlich häufiger antreffen.
Theresa besuchte auch dieses Jahr schon fast traditionell im Rahmen des grossen Stadtfestes von Santa Cruz mit dem ganzen Rest der Inselbevölkerung den obligaten Stierkampf in der Arena, während Peter in der Schweiz und in Deutschland seinen "Geschäften" nachging. Kurz vor seiner Abreise verabschiedeten wir unsere Gäste aus Luzern, die uns eine muntere Gesellschaft waren.
Der wunderbare Sommermonat lockte auch deutsche Bekannte von uns auf die Insel, die ihre Ferienhäuser hier haben, sodass es zu etlichen Einladungen, gemeinsamen Unternehmungen oder notwendigen Hilfeleistungen kam.
Am Ende des Monats hatten wir Dank eines solchen Kontaktes Gelegenheit zu erfahren, wie mit einer alten, traditionellen Weinpresse, wie wir sie ja auch haben, Wein gemacht wird. José war mit Begeisterung dabei, uns alles ganz genau zu zeigen und zu erklären. Unsere erste Überraschung bescherten uns schon die Trauben: wunderbar gesunde, pralle, grossbeerige "Katzenseicher", wie wir sie noch nie gesehen, geschweige denn gegessen haben. Sie sind schlicht sensationell! Und José macht daraus seinen "vinho cheiro", worauf wir nun ausserordentlich gespannt sind...
Aber erst füllt er das Traubengut in den grossen Trog seiner Presse und bearbeitet es wacker mit den Füssen – in sauberen Gummistiefeln, nota bene. Der Saft, der dabei entsteht, läuft bereits durch die Steinrinne und ein grosses Sieb in das Auffangbecken. Danach wird der ganze Traubenrest mit vereinten Kräften zu einem hohen Turm angehäuft und mit einem breiten Stoffriemen umwickelt, um den Berg zusammenzuhalten. Oben drauf wird ein robustes Brett gelegt und etliche Holzblöcke, um den Abstand zum Pressbalken auszufüllen. Anschliessend wird mit dem Stab, der im Gewinde neben der Presse steckt der Pressbalken nach und nach immer mehr auf den Traubenberg gedrückt, bis auch der letzte Saft aus den Früchten ausgetreten ist. Während der Pressung schöpft José bereits mit zwei Kannen Mal um Mal den herrlich schmeckenden, süssen Traubensaft aus dem Auffangbecken, um ihn ins bereitstehende Fass im Nachbarraum zu tragen. Das klingt alles ziemlich locker, ist jedoch eine absolut schweisstreibende, sehr anstrengende Angelegenheit, bei der es zur Unterstützung natürlich auch etwelche Zuschauer (ausser uns...) braucht.
Goretti, Josés Frau ist beschäftigt mit den letzten Vorbereitungen fürs Abendessen, lässt es sich jedoch nicht nehmen, uns voller Stolz ihr ganzes Haus zu zeigen (es würde zu weit führen, hier auch diese Eindrücke noch zu beschreiben).
Sobald der letzte Krug ins Fass gefüllt ist (dieses Mal waren es 52 mal 12 Liter, José ist also 26 mal gelaufen...), setzen sich alle Zuschauer/innen mit José und Goretti an den bereits gedeckten Tisch zu einer währschaften Malzeit, begleitet von reichlich Wein vom letzten Jahr. Wir sind 11 Personen, alles schmeckt einfach prima, es wird viel geredet, gelacht und sogar gesungen, bis Goretti fast die Augen zufallen und wir uns mit unseren Gästen und einem fast überquellenden Eimer voller Prachtstrauben um ein eindrückliches Inselerlebnis reicher auf den Heimweg machen.
Als Zugabe hat Peter einen Teil des Trester erhalten, aus dem es GRAPPA geben soll!!


September 2007


Hauptstadt Santa Cruz

Graciosa August 2007

Fremde Augen und fremde Welten!

Der September war so traumhaft schön, dass wir ganz glücklich waren, dass fast während des ganzen Monats auch Gäste davon profitieren konnten. Wir haben ganz, ganz viele Bilder von ihnen erhalten, die aufzeigen, was ihnen bei uns auffällt, gefällt, ins Auge sticht, festgehalten werden soll. Deshalb sind die Begleitbilder dieses Mal allesamt fremde und wir danken an dieser Stelle herzlichst für die Erlaubnis, sie für unsere Internetseite benützen zu dürfen (Fotos 1-10 von Monika und Alex Bodenmann, Fotos 11-30 von Ilona Geissbühler und Lisbeth Bachmann).
Traditionsgemäss haben wir unsere Kur im Thermalbad durchgeführt und genossen, bevor das Haus dicht gemacht werden muss, weil es bekanntlich im Winter oft von Sturmwellen total überspült wird. Die kürzlich von der Regionalregierung anlässlich des jährlichen Besuchs präsentierten Ausbaupläne des nostalgisch stilvollen Badehauses haben uns jedoch mehr als erschreckt: der auf der Rückseite vorgesehene modern gemeinte 08/15 - Anbau in schwarzem Lavastein wirkt dermassen deplaziert und plump, dass einem fast die Luft weg bleibt. Die einzige Hoffnung die wir haben, dass es vielleicht doch nicht zu diesem Sündenfall kommt ist eine hinlänglich bekannt politische: viel Rauch und wenig Feuer vor den anstehenden Wahlen...
Nebst dem Spass mit den Gästen haben uns die Vorbereitungen für unsere Herbstreise beschäftigt, welche uns für einmal nicht zurück nach Osten sondern nach Westen führen soll. Bereits seit drei Jahren haben wir immer noch unsere Hochzeitsreise " zu gut", welche wir von Mitte Oktober bis Mitte November nun endlich machen wollen. Ganz ohne Abstecher gen Osten geht allerdings gar nichts, denn erst fliegen wir von der Insel nach Lissabon, um dann gen Westen via Caracas nach Costa Rica zu gelangen. Dort werden wir knapp zwei Wochen bleiben und wollen uns auf das Abenteuer der viel gepriesenen Naturschönheiten und der vielfältigen Tierwelt einlassen.
Anschliessend folgt eine Kreuzfahrt der besonderen Art: ein kleines, aber feines deutsches Ausbildungsmotorschiff bringt uns durch die südliche Karibik von Costa Rica über Panama (u.a. Inseln St. Blas und Bocas del Toro), Kolumbien und die ABC-Inseln nach Venezuela. Auf diesem Streckenabschnitt werden wir zusammen mit einem Schweizer Ehepaar (!) nur vier Passagiere sein mit Mitbestimmungsrecht bezüglich Ausflügen und Abstechern. Auch dieser Teil unserer Reise dürfte abenteuerlich werden, weil das Schiff diese Route zum ersten Mal fährt! Das scheint uns als Hochzeitsreise genau richtig, ist doch auch die Ehe nichts anderes als eine Reise ins Abenteuer...
Erst Ende November werden wir von unseren Erlebnissen berichten und können dann bestimmt mit einer ganzen Reihe exotischer Bilder aufwarten.


Oktober /November 2007


Hanse Explorer

Graciosa August 2007

Wir waren auf Reisen zu Land und auf See.

Ein ausführlicher Bericht über unsere Reiseerlebnisse befindet sich hier!


Dezember 2007


Hanse Explorer

Graciosa August 2007

... blüht etwas!

Bereits erleben wir den dritten Dezember hier auf der Insel und unweigerlich beginnen wir, die Monate zu vergleichen. Das Wetter war eindeutig besser als letztes Jahr, vor allem zu Beginn des Monats, was unseren Gartenplänen sehr entgegen kommt. Lange ist es traumhaft schön und wegen des tiefen Standes der Sonne wird unser Haus täglich für ein paar Stunden wunderbar erwärmt. In unserem Garten blühen die ersten Kamelien und die letzten Rosen, in anderen Gärten zudem Azaleen, Strelitzien, Amaryllis, Narzissen, Hibiskus und mehr. Es ist auch die Zeit, während der wir die schönsten Sonnenuntergänge mit verfolgen können, weil wir die Sonne von unserem Garten aus nur zu dieser Jahreszeit im Meer untergehen sehen. Einen der letzten schönen Tage benützen wir, um unseren einheimischen Freunden Rosa und Vicente beim Truthahn und Enten rupfen zu helfen. Obwohl zehn Tiere „verarbeitet“ werden müssen und wir tatkräftig mit anpacken, werden wir nicht deswegen dazu eingeladen, sondern vor allem, um zusammen etwas zu machen und anschliessend gemütlich gegrillte Sardinen zu essen.
Aber nun zurück zu den Enten: zuerst fängt Vicente sie ein und lässt sie durch einen gezielten Schnitt am Hinterkopf ausbluten. Dann werden die schön gefiederten Tiere mit kochendem Wasser überbrüht und sofort gerupft. Erstaunlich, wie einfach jetzt die Federn zu entfernen sind. Bei den samtweichen Daunen, die sich im Abfalleimer türmen und überall durch die Luft fliegen blutet Theresas Stierenherz ob dem Verlust dieses wunderbaren Materials. Könnte man die Federn nicht behalten, schöne weiche Kissen daraus anfertigen? Kaum dass ihr klar wird, wieviel Aufwand das bedeuten würde und dass ja alle Federkissen und -decken früher oder später verschimmeln hier, schlägt sie sich das „Projekt“ sofort wieder aus dem Kopf. Nach dem Rupfen werden den Enten Köpfe und Flügel abgehackt und sie werden gewaschen, anschliessend wird die Haut mit einem Bunsenbrenner verödet, nochmals geputzt und nochmals gewaschen, leider unter Beigabe einer gehörigen Portion Spülmittel. Jetzt kommt Rosa zum Zug. Mit ihren Gummihandschuhen löst sie gekonnt die Innereien heraus, die separat aufbewahrt werden. Nach einem letzten Waschgang sind die Enten nun küchenfertig. Wir bekommen vier davon geschenkt und auch wenn sie klein sind, versorgt uns dieser Vorrat doch für geraume Zeit mit Geflügelfleisch.
Zum kürzesten Tag hin wird das Wetter schlechter und lädt dazu ein, Weihnachtsschmuck und Kerzen hervor zu kramen und Wohnzimmer und Küche damit zu schmücken. Kryptomeria, unser Tannenersatz, eignet sich wunderbar als Ergänzung, findet man doch an den Zweigen jedes Stadium der kleinen Zäpfchen vor, die sehr dekorativ sind. Kurzfristig werden wir von allen Seiten eingeladen und verbringen schliesslich den Heiligabend in der einen, den Abend des ersten Weihnachtstages in der zweiten und das Neujahrsmittagessen in der dritten unserer befreundeten einheimischen Familien. Überall stehen künstliche Christbäume reichlich mit etwelchem Krimskrams geschmückt, Leuchtketten blinken mehr oder weniger wild in den Fenstern und die Festtafeln quellen fast über ob all der dargereichten salzigen und süssen Köstlichkeiten. Natürlich müssen wir alles probieren und kommentieren und essen und trinken wieder einmal überall zu viel. Am Heiligabend findet in der besuchten Familie auch eine Bescherung statt und wir staunen nicht schlecht, als wir ebenfalls beschenkt werden. Die Enkelinnen im Teenageralter erhalten nebst der modernsten elektronischen Gadgets eine ganze Garderobe geschenkt, bei allen anderen fallen die Geschenkberge etwas bescheidener aus. Irgend etwas Besinnliches oder gar Feierliches hat keines der Feste und es macht auch niemand Anstalten, in die Kirche gehen zu wollen. Trotzdem hat ein solches Familienfest eine gewisse Intimität, bei der wir uns etwas fehl am Platz vorkommen. Aber eigentlich fühlen wir uns dennoch bereits recht zugehörig und betrachten es eigentlich als eine Ehre, an solchen Anlässen eingeladen zu werden. Jetzt ist es an uns, uns dafür erkenntlich zu zeigen.
Am Sylvester haben wir unsere deutschen Freunde zu einem Käsefondue eingeladen, um Mitternacht Wunderkerzen angezündet - auch für Angelika - und das neue Jahr unaufgeregt mit einem Glas Champagner (Erika und Heinz sei Dank!!) willkommen geheissen. Jetzt sind wir gespannt, was es für uns bereit hält.
Eines wissen wir jedoch bereits: wir werden unsere laufende Berichterstattung in Zukunft jeweils über zwei Monate zusammenfassen. Nach den zweieinhalb Jahren Quinta haben sich die anfänglichen Aufregungen gelegt, Ereignisse wiederholen sich, der Alltag stellt sich auch hier ein.



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