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Archiv 2006
Januar 2006
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Matanza (Schlachtfest)
in Santa Cruz ...
Als wir im Dezember bei
unseren einheimischen Bekannten zu einem Geburtstagsfest eingeladen
waren, wurde mit anderen anwesenden Gästen vereinbart, dass man
uns an eine sogenannte Matanza einladen wolle. Wir hatten schon
verschiedentlich von dieser traditionellen Hausschlachtung von
Schweinen gehört oder sie auch schon im Vorbeifahren am
Strassenrand beobachtet, aber (noch) nicht genau mitbekommen, welche
Bedeutung dieser Anlass hier hat.
Am Samstag, 7.Januar war
es dann soweit: im "Morgengrauen" (um 8.30 Uhr...) trafen wir uns mit
unseren Bekannten, um zu einer grösseren Halle zu fahren, vor der
bereits ein Schwein auf der Schlachtbank lag, gehalten von vier starken
Männern. Das Blut, welches aus seiner Kehle spritzte, wurde von
zwei Frauen mit einem Gefäss aufgefangen (für die
Blutwurstproduktion). Fünf andere Männer waren gerade dabei,
dass zweite Schwein in die gleiche Position zu bringen, was dieses mit
erbärmlichem Geschrei quittierte.
Und das alles auf leeren Magen...
Trotzdem haben wir das Geschehen fasziniert verfolgt und bildlich
festgehalten, bis die beiden Schweine nach ca. 3 Stunden harter
Männerarbeit sauber geputzt und aufgeschlitzt an riesigen Hacken
in der Halle hingen. Bei jeder Sau war ein älterer kompetenter
"Metzger" am Werk mit mindestens 4 Helfern. Anschliessend wurden dann
die Därme sorgfältig kontrolliert und x-fach gewaschen und
gespült und so für die Wurstherstellung vorbereitet.
Die Frauen wirkten derweil in der Küche: sie bereiteten
verschiedenen Malzeiten und die Wurstzutaten vor. Die ältesten
Frauen sassen in einer Ecke in den Küche zusammen und waren den
ganzen Vormittag damit beschäftigt, Knoblauchzehen zu
schälen, während sich rundherum die jüngere Generation
intensiv um den Rest der Küchenarbeit kümmerte. Es wurde
geschwatzt und gelacht und am Mittag stand eine reichhaltige Mahlzeit
mit verschiedenen Gerichten für alle Helfer/innen und Gäste
dampfend auf dem langen Biergartentisch. Wir durften uns dazu setzen
und mit essen.
Am Sonntag Vormittag wurden die erkalteten Tiere zur Weiterverarbeitung
des Fleisches zerteilt und auseinandergeschnitten. Das Schlachtessen
mit den Blutwürsten (morçelas), der eigentliche
Höhepunkt der Matanza, fand dann am Sonntagnachmittag statt.
Obwohl wir auch dazu eingeladen waren, konnten wir leider nicht
teilnehmen, was von den Gastgebern sehr bedauert und eigentlich nicht
verstanden wurde. Sie interpretierten unser Fernbleiben als Ausdruck
von Missfallen unsererseits, was jedoch absolut nicht der Fall war. Es
ist bis jetzt nicht klar, ob - trotz unseren Beteuerungen - dieses
Missverständnis geklärt werden konnte...
Die Tradition der Matanza hat hier noch eine ganz besondere Bedeutung –
mehr als auf den anderen Azoreninseln. Als Helfer/in wird man dazu
eingeladen, sozusagen auserwählt und arbeitet tatkräftig mit.
Bei "unserer" Matanza war das Fleisch des einen Schweins dem Besitzer
zugedacht und das Fleisch des anderen den Helfern. In der Regel wird
aber nicht gegen "Entlöhnung" geholfen, sondern jeder, der eine
Hausschlachtung vorhat, rechnet mit der Hilfe der Freunde als
Gegenleistung. Insofern ist dieser Brauch heute vor allem von sozialer
Relevanz und stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Früher diente sie, im Rahmen der Selbstversorgung, der
Vorratsbildung für den Winter. Heute ist dieser Aspekt wohl etwas
in den Hintergrund gerückt und das Fest mit Familie und Freunden
über zwei Tage steht im Vordergrund.
Wir fühlten uns geehrt, dass wir mit dabei sein durften, kamen uns
aber zeitweilig auch überflüssig und schon fast voyeuristisch
vor. Nach zwei deftigen Schlachtmahlzeiten waren wir zudem auch mehr
als gut genährt und die Fähigkeit zur Unterhaltung in
azoreanisch-portugiesisch war irgendwann erschöpft.
Rückblickend freuen wir uns über das bereichernde Erlebnis in
unserer neuen Heimat, haben aber latent das ungute Gefühl, etwas
Wesentliches falsch gemacht zu haben und würden gerne ein anderes
Mal tatkräftig mithelfen, jeder auf seiner Seite...
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Februar 2006
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Nein, nicht hier auf den
Azoren, sondern in der Schweiz!
Wir entschieden uns für einen Ausflug in die alte Heimat zu dieser
Jahreszeit in der Meinung, es wäre hier sowieso grau, kalt und
nass. Aber weit gefehlt: hier war es schön und warm und dafür
in der Schweiz eben so richtig Winter! Zum Glück hatten wir noch
entsprechende Kleidung und Schuhe deponiert, aber
gewöhnungsbedürftig war der Klimawechsel allemal.
Die zwei Wochen waren bis obenhin angefüllt mit Vor- und
Unvorhergesehenem, zudem besuchten wir unsere betagten Eltern und
trafen uns mit Freund/innen und Bekannten. Es war eine intensive und
anstrengende Zeit – Ferienstimmung kam auf jeden Fall keine auf.
Zurück auf der
Insel sind wir von erfreulichen Baufortschritten überrascht
worden. Momentan gelten die Bemühungen der Gestaltung von Hof und
Raum unmittelbar ums Haus herum. Was wir uns bis anhin nur schwer
vorstellen konnten nimmt so langsam Formen an und verspricht, ganz
schön zu werden. Es wird noch etliche Zeit dauern, bis die
Begrünung etwas hergibt, aber viele Pflanzen wachsen hier ja
bekanntlich schnell und üppig.
Auf der Insel herrscht
Karnevalsfieber. Die Schulen sind für eine Woche geschlossen und
verschiedene Geschäftszweige können nur noch mit Mühe
und Not aufrecht erhalten werden. Allerdings ist sonst im
öffentlichen Leben und auf der Strasse nichts zu spüren. Ab
gehen soll es Nacht für Nacht in den vielen Klubs (meist
Sportklubs), die es hier auf der Insel gibt und in der Diskothek. Schon
Wochen vorher werden für ganze Gruppen fantasievolle Kostüme
genäht, die dann am eigentlichen Maskenball des jeweiligen Klubs
zum Einsatz kommen. Ab Mitternacht wird zu Live-Musik getanzt, was das
Zeug hält – die ganze Woche über.
Wir hatten die Ehre, in
den Klub der sogenannten lokalen „high society“ zum Maskenball
eingeladen zu werden. Ohne Mitglied zu sein wird einem da kein Einlass
gewährt, ausser als Gast von Mitgliedern. Vorgängig erhielten
wir eine Information über die Garderobe-Gepflogenheiten und man
versicherte uns, wir dürften unmaskiert kommen. Als wir dann
endlich so gegen Mitternacht in den ominösen Klublokalitäten
ankamen, sahen wir uns in Gesellschaft von Herren in Sakko und Kravatte
(Peter war in seinem saloppen Pullover hoffnungslos underdressed!) mit
ihren feierlich herausgeputzten Ehefrauen. Viele von ihnen sassen in
einem Raum den Wänden entlang an kleinen Tischen, in einer Ecke
war die Musik installiert. Getanzt wurde in der Mitte des Raums, immer
paarweise und geschlossen, sehr gesittet und z.T. etwas steif, was uns
unmittelbar an ferne Zeiten in der Tanzschule erinnerte... Sogenannte
Masken gab es eigentlich nur wenige, die genauso „anständig“
tanzen, sich jedoch sehr zu amüsieren schienen. Alles in Allem kam
uns der Anlass etwas langweilig vor, aber wir trafen die Apothekerin
(sie soll die reichste Frau der Insel sein...), unseren
Versicherungsmakler, Angestellte der Fluggesellschaft und diejenigen
unserer Bank und alle anderen wichtigen Geschäftsleute von Santa
Cruz. Später versicherte man uns, dass es in den anderen Klubs
wesentlich lebhafter („sündiger“?) zu und her gehen würde und
wir wurden erneut eingeladen, um uns selber davon überzeugen zu
können. Leider ist Fasnacht aber sowieso keine unserer
Leidenschaften, sodass wir es bei dieser einen Nacht bewenden liessen.
Immerhin hat uns diese Erfahrung einen ersten Eindruck darüber
verschafft, was es gesellschaftlich mit diesen Klubs und ihren
jeweiligen Mitgliedern auf sich haben könnte...
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März 2006
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Es ist schon sehr
eindrücklich und mitunter auch etwas beängstigend, wenn der
Wind mit voller Kraft an allem rüttelt, die Ziegel auf dem Dach
klirren, alle Türen scheppern und das Regenwasser gerade durch die
unteren Fensterschlitze in den Raum herein gedrückt wird, es
blitzt und donnert und dann manchmal auch heftiger Hagel vom Himmel
herunter prasselt. Vor allem nachts ist es schwierig, bei diesem
Konzert und dem Pfeifen um die Hausecken ruhig zu schlafen. Immerhin
wissen wir inzwischen, dass das Dach nun dicht ist (was nicht immer so
war!), dass zusammengerollte Handtücher auf den Fenstersimsen im
Wohnzimmer gröbere Überschwemmungen verhindern und dass das
Wasser wirklich nur bei der Garage ungehindert unter der geschlossenen
Türe durchkommt. Da haben wir noch keine wirkungsvolle Abhilfe
geschaffen. Und wir können uns wirklich nicht beklagen: es ist das
erste mal seit wir hier sind, dass es über mehrere Tage schlechtes
und stürmisches Wetter ist. Und auch dann: plötzlich reisst
der Himmel auf, entfaltet sich in seiner schönsten Bläue,
umrahmt von riesigen, watteweissen Kumuluswolken, das strahlende Licht
der Sonne lässt die Farben intensiv leuchten und alles wie frisch
gewaschen erscheinen und die Vögel zwitschern um die Wette, wie
wenn es was zu gewinnen gäbe. Nur der Wind bleibt, unbeirrt,
unermüdlich, stetig. Wir finden diese Wechsel immer wieder
spannend und auch sogenannt schlechtes Wetter wird dadurch
abwechslungsreich und ist nicht einfach nur belastend und deprimierend.
Vor der Sturmphase hat Peter tatkräftig im Garten gewirkt und auch
jetzt benützt er jeden günstigen Moment – sofern es Frau Thun
in ihrem Aussaatkalender empfiehlt – um im Garten voran zu kommen. So
sind bereits Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Kefen und Rettich auf dem
besten Weg resp. im Boden, während Bohnen, Erdnüsse,
Artischocken, Basilikum, Tomaten etc. noch nicht ganz so weit sind,
dass man ihnen die "freie Wildbahn" bereits zutrauen könnte.
An einem wunderbaren, sensationell schönen Sonntag haben wir das
Fundament für das Gewächshaus in Angriff genommen: Kies, Sand
und Zement zum Betonmischer schleppen, mischen, zur Verschalung im
hinteren Gartenteil bugsieren, fachmännisch einfüllen, wieder
von Vorne beginnen und – unendlich oft wiederholen...
Das Resultat unserer schweisstreibenden, unheimlich anstrengenden und
erschöpfenden Schufterei ist ernüchternd: es sieht nach noch
gar nichts aus! Dafür schmerzten Muskeln, Kreuz und Glieder um so
mehr und schön wars trotz allem. Wir sind jedenfalls stolz auf
unser Werk.
In der Mitte des Monates galt es zudem, Peters Geburtstag zu feiern.
Begonnen haben die Festivitäten kurz vorher mit einem heimeligen
Fondue-Abend u.a. mit Bekannten aus der ehemaligen DDR, denen wir damit
etwas echt Neues bieten konnten. Fast so aufgeregt wie die deutsche
Arztgattin bei der Zubereitung ihrer "Käsesuppe" im Film "Die
Schweizermacher" waren wir, aber der Abend inkl. Fondue gelang sehr gut
und wir wurden anschliessend sogar nach dem Rezept gefragt.
Den eigentlichen Geburtstag feierten wir zu Zweit mit Ausnahme des
Apéros am späten Nachmittag. Es gab Kuchen, Geschenke und
einen DVD-Filmabend mit Jacques Tatis "Les vacances du Mr. Hulot",
genau so wie Peter sich das gewünscht hatte.
Zum eigentlichen Geburtstagsessen ein paar Tage später waren
wieder vier Personen zu einer Spaghettata eingeladen. Auch dieser Abend
verlief "erfolgreich", will heissen das Essen war gut gelungen und die
Stimmung lustig.
Vom Baufortschritt berichten wir Ende April wieder in der Hoffnung,
dass sich in der Zwischenzeit Wesentliches ereignet...
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April 2006
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Auf dem
Nachbargrundstück unserer einheimischen Bekannten unter einem
Felsvorsprung hinter Brombeergestrüpp haben wir die Katze mit
ihren Kleinen schliesslich gefunden. Sie hatte sich den gut
geschützten Platz wirklich geschickt ausgesucht. Sofort am Tag
nach ihrer Geburt durften wir zwei der Winzlinge auslesen und haben
dabei versucht, ein Männlein und ein Weiblein zu "erwischen". Die
anderen vier Katzenkinder wurden unmittelbar danach in den Katzenhimmel
geschickt – ich mag hier nicht erzählen, auf welche Art und Weise.
Es liegt uns auch fern, irgend jemandem deswegen Vorwürfe zu
machen, aber die Begebenheit hat uns wieder einmal aufgezeigt, was
Tiere hier für einen Stellenwert haben, auch wenn ihre Besitzer
absolut liebe und nette Menschen sind. Leider werden sie (die Tiere!)
oft nicht sehr pfleglich behandelt, egal ob es sich um Kühe,
Pferde, Hunde, Hühner, Gänse oder Ziegen handelt.
Aber zurück zu den Katzen: Campari und Ramazzotti gedeihen
prächtig in der Garage unserer Bekannten und sind ganz niedliche
kleine Racker. Ihre Mutter passt sehr gut auf sie auf und bringt sie
mitunter auch an den Geburtsort zurück in "Sicherheit", wenn ihr
das ratsam erscheint. Wir freuen uns sehr auf den Moment, wo wir sie zu
uns holen und uns selber um sie kümmern können.
Neues Leben kehrte auch ein auf unserer Quinta, als gegen Ende des
Monates Theresas Nichte und Neffe für zwei Wochen auf der Insel
eintrafen. Sie hatten die Absicht, einen sog. "Landdienst" bei uns zu
verbringen, was so viel heisst wie Arbeit gegen Kost und Logis.
Darüber waren wir natürlich hocherfreut, zumal im Garten sehr
viel zu tun war. Allerdings überstiegen Ausdauer, Einsatz,
Hilfsbereitschaft und Geschicklichkeit der Beiden unsere Erwartungen um
ein Vielfaches. Peter hatte alle Hände voll zu tun, um immer
wieder neue und sinnvolle Arbeiten zu generieren, während Theresa
in Haus und Küche immer wieder für Nachschub und Ordnung
sorgte. Es stellte sich schnell ein anderer Rhythmus ein, der
geprägt war von jungem Elan und Tatendrang. Wir verbrachten sehr
viel Zeit zusammen mit Arbeiten, Essen, Lachen, Schnäpse trinken
oder mit sehr persönlichen Gesprächen zu unseren
unterschiedlichen Lebenssituationen. Manchmal war sogar Zeit und Lust
zum Angeln oder für eine kleine Sightseeing-Tour und auch einen
Strassenstierkampf liessen sich die Beiden nicht entgehen.
Wir genossen die sympathische, aufgeschlossene, unkomplizierte
Gesellschaft ausserordentlich und es freute uns riesig, dass es den
beiden jungen Leuten auf unserer ruhigen, friedlichen Quinta
offensichtlich SO gut gefiel.
Die Fertigstellung unseres letzten Hausteils hatte uns unser Baumeister
wieder einmal bis Ende Mai versprochen. Dann läuft nämlich
das für den Bau vorgesehene Jahr ab. Den Vertrag für dieses
Werk haben wir bis heute nicht zustande gekriegt, obwohl ein Entwurf
sei etwa einem Monat (!) vorliegt. Formalitäten gehen genauso
ständig vergessen, wie das Beenden angefangener Arbeiten. Und wenn
wir daran denken, was in der verbleibenden Zeit noch alles gemacht
werden sollte wird UNS sofort klar, dass wir uns verhört haben
müssen ...
Als Entschädigung wächst und spriesst es im Garten, dass es
eine wahre Freude ist. Die vielen Pflanzen, die wir auf dem Festland
bestellt hatten und für die wir das Schlimmste befürchteten,
weil sie mehr als zwei Wochen unterwegs waren, erholten sich bis auf
eine Einzige erstaunlich gut – auch ihnen scheint es bei uns zu
gefallen und auch sie bedeuten neues Leben für unsere Quinta.
Und ob man oder frau es glaubt oder nicht: bereits ist ein Jahr
vergangen seit unserer ersten Berichterstattung...
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Mai 2006
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Der Countdown läuft
... weiter!
Ein paar "Kleinigkeiten"
fehlen tatsächlich noch: Böden und Türen im
Wohngeschoss, die sanitären Installationen im Bad, der zweite
Anstrich innen und aussen, der Vorplatz, die Dachrinnen etc. Wenn wir
mit dem Baumeister darauf zu sprechen kommen werden wir mit einem
"quase pronto" vertröstet, was korrekt übersetzt heisst: "die
Arbeiten sind so gut wie fertig", aber meint: "na ja, das wird schon
irgendwann werden". Also sehen wir dem Treiben in Zeitlupentempo
weiterhin geduldig zu und sind mit geringfügigen Fortschritten
schon richtig zufrieden. Es soll uns nur bitte schön keine/r nach
dem Zeitpunkt der wirklichen Fertigstellung fragen, sie/er würde
Schreikrämpfe unsererseits riskieren...
Um uns etwas Gutes zu tun, haben wir sofort nach der Eröffnung das
Angebot des Thermalbades genützt und uns mit einer kleinen
Frühjahrskur für die nächsten Anstürme des Lebens
gewappnet.
Mitte Monat kam eine Freundin von uns an, um eine Woche Ferien bei uns
zu verbringen. Sie war genau vor einem Jahr zum ersten Mal hier, kurz
nach Beginn der Bauphase von unserem Wohnhaus. Es hat uns gut getan ihr
zeigen zu können, was trotz Verspätung in dieser Zeit alles
realisiert werden konnte.
Und einmal mehr hat uns jemand die "grosse weite Welt" in unser
kleines, bescheidenes Paradies gebracht (damit wir den Anschluss nicht
ganz verpassen!) und – fein säuberlich zum x-ten Mal unser
Spargelbeet gejätet.
Danke Wärme und regelmässigen Regenschauern explodiert die
Natur um uns herum geradezu. Unkraut schiesst genauso ungeniert aus dem
Boden wie Gemüse, Salat und Blumen. Dadurch sind wir angenehm von
der Bauentwicklung abgelenkt und eignen uns laufend botanische
Kenntnisse durch "learning by doing" an. Einschlägige Literatur
liegt ebenfalls jederzeit stapelweise griffbereit und so manchen
wertvollen Gärtner/innentipp entnehmen wir - wie könnte es
anders sein - dem Internet.
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Juni 2006
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Die
Quintabevölkerung wächst ... und die Inselbevölkerung
auch!
Nun toben also unser zwei
"Apéröli" Campari und Ramazzotti munter durch Haus und Hof,
erweitern jeden Tag den Radius ihrer Streifzüge, sind jederzeit
neugierig, werden zusehends mutiger und bringen uns mit ihren
Spässen immer wieder zum Lachen. Nach dieser kurzen Zeit
könnten wir uns das Quintaleben bereits nicht mehr ohne sie
vorstellen, so sind sie uns schon ans Herz gewachsen.
Unser Lebensradius lässt sich leider, leider immer noch nicht
wirklich erweitern, denn in unserem Neubau fehlen immer noch etwelche
"Innereien". Obwohl tagtäglich gearbeitet wird, ist die Vollendung
nach wie vor nicht in Sicht. Dank sommerlichen Temperaturen nun auch
hier ist wenigstens unsere Terrasse zum erweiterten Wohnzimmer
geworden. Inzwischen geniessen wir dort auch laue Sommerabende mit
spektakulären Stimmungen zu Sonnenuntergang und dann im hellen
Mondlicht mit sternenklarem Himmel. In solch schon fast magischen
Momenten wird uns bewusst, dass wir am schönsten Ort der Welt
wohnen...
Im Garten wird fleissig gegossen und geerntet und meist ernähren
wir uns von unserem eigenen Gemüse. Darauf sind wir richtig stolz
und haben eigentlich nicht damit gerechnet, dass wir jetzt schon
Salate, Gurken, Erbsen, Kefen, Mangold, Bohnen, Zucchetti, Rettich und
bald auch Tomaten "einfach so" hinterm Haus pflücken können.
Peter entpuppt sich als passionierter und begabter Gärtner was das
Gemüse angeht. Mit den Blumen hat er es allerdings nicht so.
Deshalb sind wir damit nicht verwöhnt, weil Theresas Zeit für
den Garten doch um Einiges knapper bemessen ist. Aber auch Blumen
werden bei uns noch zum Blühen kommen, davon sind wir
überzeugt.
Auf der Insel macht sich eine gewisse Hektik bemerkbar, was mehr als
ungewohnt ist. Langsam trudeln die Touristen ein und überall
laufen deswegen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Am besten lässt
sich dies an bis zur Decke vollgestopften Regalen in den Läden
ablesen und an Produkten, die wir hier sonst das ganze Jahr über
nicht zu Gesicht bekommen. Plötzlich schiessen auch die
kulturellen Angebote und gesellschaftlichen Anlässe wie Pilze aus
dem Boden, sodass echt was los ist hier. Man behauptet, in den drei
Sommermonaten würde sich die Bevölkerung mehr als verdoppeln,
was sicher keine Übertreibung ist. Mit Touristen sind hier vor
allem die sogenannten "emigrantes" gemeint, Leute, die von hier nach
USA oder Kanada ausgewandert sind und in garantierter
Regelmässigkeit den Sommerurlaub in ihrer alten Heimat verbringen.
So kann es gut sein, dass sich eine hier lebende Familie für
etliche Wochen um die angereisten Verwandten erheblich
vergrössert, wenn diese nicht in einem eigenen Haus wohnen.
Kürzlich beschwerte sich ein solcher Emigrant im Supermarkt
lautstark darüber, dass mit ihm nicht Englisch gesprochen
würde – eine Forderung, die verständlicherweise nur auf
Missbilligung stiess und ja tatsächlich grotesk anmutet.
Offensichtlich glauben sich jedoch viele der Emigranten jetzt einer
besseren, wertvolleren Welt zugehörig und demonstrieren dies dann
zum Beispiel über die Wahl der Sprache. Andererseits bildet diese
grosse Gruppe der Auswanderer einen wichtigen gesellschaftlichen
Bestandteil der Inselbevölkerung: nur fiktiv während neun
Monaten im Jahr und real dann eben während der Sommermonate.
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Juli 2006
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Eine Bootsfahrt die ist
lustig, eine Bootsfahrt, die ist schön!
Tatsächlich geht es uns
inzwischen auch hier nicht anders als anderswo: das sogenannte "daily
business" hält uns davon ab, die Insel aus dem Blickwinkel einer
Touristin, eines Touristen weiter zu erforschen. Was natürlich
jammerschade ist, wie wir uns kürzlich kleinlaut eingestehen
mussten.
Die unvergessliche Bootsfahrt rund um die Insel kam auf Anregung
unserer letzten Gäste hin zustande und so starteten wir also eines
hochsommerlichen Nachmittags erwartungsvoll und gut ausgerüstet
mit Schwimmwesten und kundiger Führung in einem grossen
Schlauchboot zur 2 1/2 stündigen Tour. Vom Land her meinen wir die
Küste der Insel schon recht gut zu kennen, halten wir doch immer
wieder Ausschau nach idealen Angel- resp. Badeplätzen. Auf die
Sicht vom Meer her waren wir nun echt gespannt.
Kurz nach dem Start fanden wir uns in einer vom Land her verborgenen
Bucht wieder, ruhig im gleissenden Sonnenlicht liegend, in allen
blau-türkis Schattierungen des Wassers schillernd und umringt und
geschützt von bizarren schwarzen Felsformationen: wahrhaft eine
Entdeckung! Und es sollte nicht die letze dieser Art sein...
Viele Küstenabschnitte erkannten wir auch vom Meer her, waren
jedoch überrascht, wie wenig man aus der Entfernung von den
örtlichen Gegebenheiten ausmachen konnte. Umso eindrücklicher
war das Wechselspiel von Gesteinsformationen und -arten mit und ohne
Bewuchs in ungeahntem Farbenspiel, mit Torbögen und Grotten
unterschiedlichen Ausmasses. Sogar wilde Ziegen tummeln sich
unbehelligt in einer unzugänglichen Steilwand hoch über dem
Wasser. Nur die Delfine, deretwegen wir einen weiten Abstecher aufs
Meer hinaus in Richtung der südlichen Nachbarinsel Sao Jorge
machten, hatten an diesem Nachmittag keine Lust, gerade nahe unserer
Route zu spielen. So liessen wir uns halt von fliegenden Fischen
überraschen, die unvermittelt und meist in Schwärmen aus dem
Wasser schnellen und Dank ihrer libellenartigen Flügel
tatsächlich in der Lage sind, sich für ein Weilchen über
der Wasseroberfläche fortzubewegen. Mit dieser Fähigkeit
retten sie sich vor tödlichen Verfolgern, die sie unter Wasser
jagen.
Und zum ersten Mal haben wir unser Haus vom Wasser her gesehen! Dieser
Eindruck bestätigt die Aussagen verschiedener Einheimischer: das
Ding wirkt ziemlich gross...
Aber nicht nur Tourismusvergnügungen haben den Juli belebt.
Mit einer kleinen Grillparty haben wir unseren Hof eingeweiht und Peter
hat es sich nicht nehmen lassen, ihn eigens für diesen Anlass mit
einer Lichterkette und "Schwarzbart", unserer Holzskulptur von Erwin
Schatzmann aus Winterthur zu schmücken. Er (Schwarzbart, nicht
Peter oder gar Erwin...) bewacht seitdem den Haupteingang, erschreckt
Neulinge und erfreut Bekannte so, dass sie in tätscheln,
grüssen oder sonst ein paar Worte mit ihm wechseln.
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August 2006
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Sommerpause! Wir melden
uns wieder mit den September-News
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September 2006

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Zu Besuch bei den
Nachbarn!
São Jorge, unsere
Nachbarinsel, die wir immerhin (fast) jeden Tag sehen, kannten wir noch
nicht aus der Nähe. Sie liegt wie eine Kompassnadel in der Mitte
der Zentralgruppe der Azoren. Weil die sommerlichen Schiffsverbindungen
ganz günstig waren gönnten wir uns vier Tage zur Entdeckung
dieses Eilandes. Grundsätzlich zu entdecken gibt es zwar
eigentlich gar nichts mehr dort, weil bereits der hinterste und
abgelegenste Winkel von Michael Bussmann besucht und im neusten
Azoren-Reiseführer (Müller-Verlag 2006) ausführlich
beschrieben ist. Das hielt uns jedoch nicht davon ab, unsere ganz
persönliche Entdeckungsreise über die Insel zu machen. Einmal
mehr hat uns das satte, in unzähligen Schattierungen üppig
vorkommende Grün der unterschiedlichsten Gewächse absolut
fasziniert. Zudem fuhren wir über viele Kilometer einfach nur
durch mannshohe Hortensienhecken, die Blumen z.T. schon verblüht,
die Hecken aber trotzdem eindrücklich. Die Topologie der Insel ist
völlig anders als die von Graciosa: ein hoher, weitgehend
bewaldeter Gebirgszug zieht sich über die ganze Insellänge
und gibt immer wieder herrliche Ausblicke aufs Meer, die Nachbarinseln
der Zentralgruppe und die Steilküsten frei. Oft sieht man auch
weit unten in der Tiefe eine sogenannte Fajã, eine kleine Ebene
auf gut Meereshöhe am Fusse einer Steilküste mit einem
kleinen Dorf und landwirtschaftlich genutztem Umland. Die Zugänge
zu diesen Fajãs sind unterschiedlich beschwerlich und
entsprechend sind sie mit Komfort ausgerüstet. Diejenigen, welche
nur zu Fuss erreichbar sind, sind oft ganz verlassen oder ein paar
wenige noch intakte Häuser werden als Ferienhäuser genutzt.
Strom gibt es in einigen der Fajãs erst seit ganz kurzer Zeit.
Auf jeden Fall scheint das Leben in diesen abgelegenen Orten einen noch
sehr gemächlichen Gang zu nehmen und nur so nach und nach
hält dort die Neuzeit mit ihren Errungenschaften Einzug.
São Jorge gilt auch als DIE Käseinsel der Azoren und
tatsächlich sind die drei verschiedenen Sorten, die wir probiert
haben, köstlich. An die Schweizer Käsevielfalt darf man dabei
natürlich nicht denken...
Der Aufenthalt in einem komfortablen, sehr liebevoll eingerichteten
Hotel in Velas, der Hauptstadt der Insel, liess uns sogar einen
Regennachmittag gemütlich verbringen. Wir genossen die paar Tage
sehr und kamen ganz erholt zurück nach Hause.
Unsere Katzen hatten uns die Abwesenheit nicht übel genommen,
zumal sie bestens versorgt wurden. Wir bilden uns nicht ein, sie
hätten sich über das Wiedersehen mit uns so sehr gefreut, wie
wir über dasjenige mit ihnen... Nach wie vor geht es ihnen prima,
sie sind frech und unternehmungslustig, ihr Fell glänzt in der
Sonne, wenn wir sie rufen, kommen sie, streichen uns um die Beine und
flattieren so lange, bis es ein feines Extrahäppchen gibt. Wenn
immer möglich tragen sie uns etwelche Jagdtrophäen ins
Wohnzimmer zu ihrer, jedoch oft nicht zu unserer Freude.
An unserem Bau ist nun wohl doch endlich ein Ende abzusehen. Die
Pendenzenliste wird immer kürzer und der Zeitpunkt unseres Einzugs
immer realistischer. So sind immerhin der Hof, die Räume im
Untergeschoss, das Badezimmer und die Veranda fertiggestellt und im
Obergeschoss wird zur Vollendung hin gearbeitet. Zudem sieht es auch in
der Umgebung immer besser aus, sodass wir hoffen können.
Anfangs 2005 hätten die Bauarbeiten beginnen und Ende 2005 fertig
sein sollen. Inzwischen beträgt die Verspätung 9 Monate,
ausser Vorentwürfe eines Bauvertrages haben wir bis jetzt noch
nichts erhalten, geschweige denn eine Rechnung für irgend eine
Teilzahlung. Die planerisch-administrativen Aufgaben scheinen unserem
Baumeister echt nicht zu liegen und so langsam gewöhnen wir uns
daran und sehen vieles auch nicht mehr so eng.
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Oktober 2006
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Reise in die alte Heimat!
Während zweieinhalb Wochen
waren wir im Oktober in der Schweiz und in Deutschland unterwegs. Mit
den Reisevor- und nachbereitungen war somit der ganze Monat
ausgefüllt.
Wiederum durften wir bei unseren ehemaligen Nachbarn und Freunden im
Herzen von Winterthur komfortabel wohnen und ihre Gastfreundschaft ist
jedesmal einmalig! Sie sorgt massgeblich für unser Wohlbefinden in
der Zeit, die wir jeweils in der alten Heimat verbringen.
Auch dieses Mal reisten wir vor allem nach Mitteleuropa, um unsere
Eltern, Familienangehörigen und Freund/innen zu besuchen. Peter
war deshalb in der ersten Woche in Süddeutschland unterwegs und
Theresa besuchte derweil ihr Patenkind, diverse Aerzte für
Routineuntersuchungen, die Kosmetikerin und was der schönen Dinge
mehr sind.
Zudem nützen wir die Zeit jeweils, um diejenigen Dinge
einzukaufen, die wir hier nicht bekommen und ohne die wir meinen, nicht
leben zu können... Vor jedem Einkauf stellte sich unweigerlich die
Frage, wie die Errungenschaft in unser neues Heim gelangen sollte Die
Begehrlichkeiten wurden deshalb laufend von den Maximalmassen der
Postpakete zensuriert. Trotzdem erinnerte unser Gästezimmer
vorübergehend an ein Warenlager, in dem sich antike Stühle,
Lebensmittel, Kosmetika, Werkzeuge, Haushaltwaren etc. türmten.
Zum Glück liessen sich unsere Gastgeber davon nicht sonderlich
beeindrucken und wir verpackten die Kostbarkeiten nach und nach in
grosse Kartons und schickten sie mit vielen guten Wünschen auf die
lange Reise. Damit gönnen wir uns eine vorzeitige
Weihnachtsbescherung, weil wir bei Ankunft der Pakete, etwa 4-5 Wochen
nach Versand, nicht mehr wissen, was sich darin verbirgt. Umso
grösser ist dann die Freude beim Auspacken!
Von allen Gästen, die uns über die Sommermonate hier besucht
hatten, wurden wir liebenswürdigerweise eingeladen und so trafen
wir uns mit unterschiedlichsten Leuten zu gemütlichen Runden und
feinem Essen.
Um unseren Aufenthalt nicht allzu stressig werden zu lassen
gönnten wir uns eine Kinobesuch und einen wunderbaren
Herbstsonntag in den Bergen, ohne das dabei irgend welche Form von
Wehmut oder Heimweh aufgeflackert wären.
Im Gegenteil: das Gefühl, nicht mehr so richtig in diese Welt zu
gehören war spürbar stärker als noch vor acht Monaten
bei unserem letzen Besuch und das Heimweh nach unserem jetzigen Zuhause
schwoll merklich an.
Überglücklich kehrten wir deshalb NACH HAUSE zurück, wo
wir wiederum von unseren Katzen ohne Groll und Vorwürfe empfangen
wurden. Sie schienen sich sogar über unsere Rückkehr zu
freuen...
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November 2006

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Was lange währt wird
endlich ... fertig!!!
Es ist kaum zu glauben, aber
unser Wohnhaus ist nun tatsächlich mit "nur" 11 Monaten
Verspätung fertig geworden!
Es gibt Strom, kaltes UND heisses Wasser, es ist geputzt worden, alle
Überreste vom Bauen sind im und ums Haus herum weggeräumt,
wir brauchen keine Handwerker mehr und dem ersten Sturm wurde bereits
getrotzt: ein schönes, grosses weitestgehend intaktes Haus
für uns ganz allein!
Nun kam der nächste Schritt: alle unsere Kisten, Kartons und
Pakete, die für 1 1/2 Jahre eingelagert waren, wurden
gezügelt, können nun nach und nach ausgepackt und deren
Inhalt an ihren zukünftigen Ort gebracht werden. Wir liessen es
uns nicht nehmen, mit einem Riesenhaufen Verpackungsmaterial ein
Freudenfeuer zur Feier dieses historischen Tages zu machen!
Schon gut an den Inselrhythmus gewöhnt, lassen nun auch wir uns
Zeit mit Einrichten, zumal alles, was ausgepackt wird, nach der langen
Lagerzeit zuerst gründlich gereinigt werden muss.
Als Erstes installierte Peter unseren Schwedenofen mitten im Wohnzimmer
und sofort kamen ein Teppich und bequeme Lehnstühle dazu, sodass
wir uns bereits während der sorgfältigen Einheizphase des
neuen Ofens gemütlich davor setzen und die erste wärmende
Abstrahlung geniessen konnten. Auch die Musikanlage war schnell
installiert und zu unserer grossen Überraschung ist die Akustik in
diesem Raum ausgezeichnet. Ob Fado, Oper, Beethoven oder BAP: alles
klingt wie neu und einfach fantastisch. Die Badewanne mit Sicht aufs
Meer wartet noch auf ihren ersten Einsatz, weil er entsprechend
zelebriert werden soll.
Und dann sind da ja noch all die Umgebungsarbeiten...
Bei erstaunlich trockenem, wenn auch oft windigem Wetter bauten uns in
den letzten Wochen zwei junge Nachbarn einen Sitzplatz am
schönsten Aussichtspunkt unseres Gartens. Da wir uns ja wegen
Bauveränderungen schweren Herzens von unserem tollen Dreschplatz
trennen mussten, gibt es jetzt insofern einen "Ersatz" dafür, da
all die alten, zum Teil schön bearbeiteten und von einer alten
Kirche stammenden Steine von eben diesem Platz wieder Verwendung
fanden. Entsprechend fiel die Ausführung ziemlich rustikal aus.
Sobald jedoch auch noch die geplante Pergola steht und begrünt
ist, wirkt er hoffentlich nicht mehr ganz so monumental. Wir haben
jedenfalls riesig Freude an dem neu gestalteten Platz, wo es sich vor
allem bei Sonnenuntergang prima sitzen und staunen lässt.
Trotz all der häuslichen Aktivitäten nahmen wir mit Erstaunen
wahr, dass auf der Insel Rosen, Kapuzinerkresse, Winden, Pelargonien,
Hibiskus, Dahlien etc. das ganze Jahr über blühen und dass
bereits die ersten Kamelien, Aloe und Narzissen den November mit ihrer
Blumenpracht verschönern.
Und für kulinarische Entdeckungen blieb auch immer noch Zeit. Hier
eine kleine Kostprobe zum Nachmachen (sehr einfach und mit garantiertem
Erfolg!), vielleicht sogar als Alternative zu den obligaten
Weihnachtsguetzli:
Amaretti
Zutaten (für ca. 30
Stück):
- 300 gr geschälte Mandeln, fein gerieben
- 250 gr Zucker
- 3 Eiweiß
- 6 Tr. - 1/2 Fläschchen Dr. Oetkers Bittermandelaroma, je nach
Geschmack
Zubereitung:
Geriebene Mandeln mit
Zucker mischen. Eiweiß anschlagen (nicht steif werden lassen),
Bittermandelaroma unter mischen und mit dem Mandel-Zuckergemisch zu
einem Teig zusammen rühren.
Mit nassen Händen kleine Kugeln formen und auf ein Backblech
legen, leicht flach drücken. Mit Puderzucker bestäuben.
30 - 35 Minuten bei 120° im vorgeheizten Backofen backen (der Boden
der Amaretti sollte leicht braun sein)
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Dezember 2006

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Advent, Weihnachten und
Jahreswechsel!
Als Auftakt zum Advent wurde
uns ein Spektakel der ganz besonderen Art geboten: ein Chor mit 90
Stimmen und 35 Musiker/innen aus São Miguel und vier
internationale Solistinnen und Solisten sangen und spielten unter der
Leitung eines Wiener Dirigenten das Requiem von Mozart. Das Centro
Cultural war mit 500 Besucheri/nnen zum Bersten voll (immerhin ca. 1/10
der Inselbevölkerung!) und die Begeisterung grenzenlos.
Tatsächlich war das Konzert vom Feinsten und der Gesang so
schön, dass er uns ab und an schaudern liess. Dieser einmalige
Genuss war auch noch gratis – wir konnten es kaum fassen...
Während des ganzen Monats war eine Bekannte von uns in unserem
Gästehaus eingemietet. Das war insofern eine spezielle Erfahrung
für uns, weil wir eigentlich gar nie mit Wintergästen am
Jahresende gerechnet hatten, und weil wir zum ersten Mal einen
Dauergast für 5 Wochen am Stück mit Halbpension beherbergten.
Leider war das Wetter weit weniger gut als im letzten Jahr, was uns
alle mehr im Haus verweilen liess. Wir waren vorwiegend mit dem
Einräumen unserer siebenhundert Sachen im neuen Hausteil
beschäftigt, sofern sie nicht erst gründlich
ausgelüftet, geputzt oder gewaschen werden mussten. Dadurch liess
auch in diesem Jahr die Weihnachtsstimmung in unserem Haus sehr lange
auf sich warten. Erst für Heiligabend kamen Sterne, Engel und
viele Kerzen zum Einsatz, als Begleitung eines feinen Weihnachtsessens
mit einem von Peter gefangenen Bluefish in der Salzkruste.
Gemeinsam planten wir danach unsere kleine Silvesterparty, mit der wir
auch gleichzeitig unseren neuen Wohnraum einweihen wollten. Geladen
waren all unsere deutschen Freundinnen und Freunde.
Wir bauten eine gediegene Bar auf, auf der ein kaltes Buffet drapiert
wurde, stellten kleine Tische und Stühle in den freien Raum und
dekorierten ihn mit Blumen und Kerzen. Peter baute derweil einen Rahmen
für eine Grossleinwand und zusammen mit unserem Freund Fritz
installierte er dessen Beamer, um Kino machen zu können. Wie es
sich gehört, schauten wir uns nach dem köstlichen Essen
zunächst "Dinner for one" an und anschliessend "Vitus". Der neuste
Film von Fredy Murer gefiel uns allen ausgesprochen gut. Allerdings
machten wir - wie im richtigen Kino - eine Pause, um Punkt Mittternacht
auf unserem rustikalen Sitzplatz aufs neue Jahr anzustossen. Die Nacht
war sternenklar und mild, ideal um dem Universum gute Wünsche und
ernstgemeinte Vorsätze zu übergeben.
Und mit dem zweiten Teil von "Vitus" sind wir dann also ins neue Jahr
aufgebrochen...
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