QUINTA PERPETUA



 

Home

 

Ferienwohnung

Über uns

Ilha Graciosa

Azoren

Tipps

Kontakt

 

Archiv 2005

September 2005 Oktober 2005 November 2005 Dezember 2005

Mai 2005


Los geht`s ...

Das magische Datum ist der 20. Mai 2005, weil dann unser 40-Fuss Container vorfahren und mit unserem Hausrat beladen werden soll.
Wird der Platz reichen? Haben wir alles genügend gut vorbereitet? Werden die Packer und Verlader auch sorgfältig mit unseren Sachen umgehen und sie genügend gut verpacken? Wird die vorgesehene Zeit zum Einpacken resp. Beladen auch ausreichen? Wie werden unsere (gewerbetreibenden) Nachbarn auf den Sattelschlepper mit dem Container darauf vor unserem Haus an der Obergasse mitten in der Winterthurer Altstadt reagieren? Fragen über Fragen, die uns im Vorfeld doch sehr beschäftigen. Um es kurz zu machen: die ganze Beladung mit allem Drum und Dran verläuft bei schönstem Wetter dank vier höchst kompetenter, gut gelaunter Fachmänner absolut zügig und problemlos, der Container wird "nur" zu 2/3 voll und ist an diesem Freitag Nachmittag DIE Attraktion in der Obergasse!
Nach dem ganzen "Happening" schleicht sich jedoch ein eigenartiges Gefühl ein, als die Türen geschlossen und versiegelt werden und unser Hab und Gut auf längere Zeit um die nächste Hausecke verschwindet. Und ein bisschen Wehmut stellt sich auch in der leeren, von der Abendsonne erfüllten Wohnung ein, in der wir immerhin 12 Jahre unseres Lebens verbracht haben und die unser erstes gemeinsames Zuhause war...


Juni 2005


Ankunft in der Quinta ...

5.6.05 - das nächste magische Datum, mindestens für Theresa: die Einwohnergemeinde Winterthur bestätigt die Abmeldung aus der Schweiz und somit wird sie vorübergehend "heimatlos". Die Gefühle sind gemischt: vogelfrei oder ausgemustert?!? Die effektive Ausreise findet unter lieber Begleitung aber ohne Peter statt, sein Arbeitsvertrag lauft erst Ende Juli aus. Nach ein paar Tagen erholsamen Urlaubs auf der grössten Azoreninsel Sao Miguel mit einer Freundin wird es dann Ernst: Quinta Perpetua ist Theresas neues Zuhause!
Die Spannung steigt, denn es kann uns im Vorfeld einfach gar niemand sagen, wann genau unser Container ankommen soll. Sehr kurzfristig erfahren wir den Ankunftstermin und Peter reist "schnell" her, um beim Ausladen zu helfen. Davor sind aber noch einige bürokratische Hürden zu nehmen, weil unser Hausrat nicht aus einem EU-Land kommt. Sie kosten ziemlich viel Geduld und starke Nerven, bescheren uns aber auch nette Bekanntschaften und wichtige Einblicke in die Handhabung formaler Abläufe hier auf der Insel.
Am 24.6.05 ist es dann soweit: das Containerschiff S. Rafael, welches morgens den Hafen von Vila da Praia anläuft, hat tatsächlich auch unseren Container an Bord! Nach knapp einer Woche und der Beschaffung aller notwendigen Papiere dürfen wir ihn öffnen und all unser Zeugs mit einem Lastwagen zum Haus transportieren. Nach gut drei Stunden ist der Spuck vorbei und all unsere Kellerräume inkl. Garage sind bis obenhin mit Kartons, Schachteln und Paketen vollgestopft.


Juli 2005


Der Garten lädt zum Ruhen ein ...

Nach Peters Abreise beginnt der Prozess von Suchen, Auspacken, Einrichten und Versorgen, aber auch der des definitiv Ankommens: das wunderbare Wetter geniessen, dicke Bücher lesen, die wechselnden Stimmungen der Natur bewundern, im Garten "grümschele" freundnachbarschaftliche Kontakte pflegen, die letzten Ereignisse verarbeiten, es sich gut gehen lassen – SEIN.


August 2005


Eine "placa" braucht es auf jeden Fall ...

Nachdem Theresa nochmals ein paar Tage in Winterthur verbracht hat, der 1. August bei Morys in Meilen gefeiert und die Eltern schweren Herzens verabschiedet sind, ist es am 4. August ENDLICH so weit: gemeinsamer Abflug in Zürich in Richtung Azoren und in eine ungewisse Zukunft. Zuversichtlich "stürzen" wir uns in den neuen Alltag, planen mit dem Bauunternehmer die Fortsetzung des Baus unseres neuen Wohnhauses, besuchen mit Einheimischen den sommerlich traditionellen Stierkampf, freuen uns über jedes Kraut und Unkraut im eigenen und im fremden Garten (wo wir alles Essbare ernten dürfen!), beginnen mit einer Speisepilzzucht und heissen die nächsten Einwanderer willkommen (ein deutsches Ehepaar aus München).
Am letzten Tag des Monats erfährt unser Bau nach einem gemächlichen halben Jahr Arbeit einen Meilenstein: Die sogenannte "placa" (Ebene zwischen Keller und Wohngeschoss) wird unter Aufmarsch von einer grossen Anzahl Bauarbeiter und eindrücklicher Maschinen in Beton gegossen. Hier hat dieses Ereignis in etwa den Stellenwert der Aufrichte in der Schweiz.


September 2005


Kuren kann man auch ...

Wir glauben es kaum: nach "nur" 6 Monaten, etwelchen beigebrachten Papieren und Dokumenten und x-fachen Besuchen bei der zuständigen Dame von der Gemeindeverwaltung erhalten wir unsere portugiesische Aufenthaltsbewilligung (andere haben mehr als ein Jahr darauf gewartet!). Nun scheinen die wichtigsten Formalitäten geregelt zu sein, um offiziell hier leben zu dürfen. Bei nach wie vor wunderbar warmem und schönen Wetter wagen wir es endlich, im Meer zu baden und entschliessen uns gerade für eine Badekur: täglich morgens im Meer schwimmen und anschliessend im Thermalbad in der Wanne kuren. Damit wollen wir uns für den Winter wappnen, von den wir ja nicht wissen, wie er sich hier anfühlen wird.


Oktober 2005


Land und Leute kennenlernen ...

Da sich unser erste Hochzeitstag nähert und wir ihn feiern wollen, planen wir eine kleine Reise aufs portugiesische Festland. Davon kennen wir sehr wenig und nehmen diesen Anlass, um die Kenntnisse über unser Gastgeberland mindestens geographisch zu erweitern. Eine kleine Rundreise in der Umgebung von Lissabon bringt uns über Sintra und Ericeira nach Obidos, von da durchs Alentejo über Santarem nach Evora und weiter über Alcacer do Sal nach Setubal und Palmela, von wo wir zurück nach Lissabon fahren. Die Eindrücke sind vielfältig von absolut hässlich und abstossend (Küste zwischen Sintra und Obidos / Umgebung von Setubal) bis wunderschön und einladend (Evora / Santarem). Gesättigt kehren wir nach Hause zurück und richten uns auf eine ruhige Zeit ein: überwintern auf der Insel!


November 2005


Jeder braucht ein Dach über dem Kopf ...

Von wegen ruhige Zeit: geschäftiges Treiben bricht aus in Haus und Garten. Da das Wetter immer noch sehr gut ist, lassen sich viele liegengebliebene oder geplante Arbeiten nun endlich erledigen. Peter baut ein Wasserreservoir ein im Keller, damit wir jederzeit komfortabel, mit genügend Druck und warm duschen können, im Garten wird umgegraben und gesät, erneut machen wir Pläne für die Umgebungsgestaltung, der erste Schnaps wird gebrannt und endlich, endlich kommen die Schreiner und bauen das Holzgerüst für unser Dach. Nach zwei Wochen sind sie fertig und in unserem zukünftigen Wohnraum sieht es aus wie in einer Kathedrale!
Zudem pflegen wir Kontakte sowohl mit Einheimischen als auch mit anderen ansässigen Ausländer/innen und verbringen viele anregende, muntere Abende entweder als Gastgeber bei uns oder aber als Gäste bei unseren Bekannten. Auch da werden Pläne geschmiedet, gemeinsame Projekte ins Auge gefasst, Ideen und Gerätschaften ausgetauscht und es wird gefachsimpelt und phantasiert.


Dezember 2005


Auf den Hund gekommen ...

Der Countdown für unsere Internetseite läuft - es gibt einfach zu wenig Regentage! Trotzdem nehmen wir uns immer wieder Zeit um daran zu arbeiten mit dem Ziel, bis Ende Jahr damit fertig zu sein. Peter geht auf Entdeckungsreisen im Gestaltungsprogramm und fördert Erstaunliches zu Tage und Theresa schreibt Texte, überlegt, was Leser/innen interessieren könnte, stöbert in einschlägiger Literatur und natürlich auch im Internet und wählt passende Bilder aus. Gleichzeitig laufen die Arbeiten am Dach auf Hochtouren, Ziegel um Ziegel wird gelegt und befestigt, während im Haus an den elektrischen Leitungen gearbeitet wird.
Eines Tages stösst Max zu uns, der Hund eines unserer Bekannten. Andreas möchte über die Feiertage nach Deutschland , mag seinem 8 jährigen Hund aber die Reise nicht aufbürden. So kommt Max halt zu uns in die Ferien und wir machen unsere allerersten eigenen Hundeerfahrungen. Sofort stellt sich ein anderer Tagesrhythmus ein und das Leben wird gesünder: dreimal am Tag bei jedem Wetter mit Max unterwegs sein macht fit und widerstandsfähig. Zudem bewacht er uns und sorgt mit seiner drolligen Art für etwelche Heiterkeit.
Zum ersten mal verbringen wir auch die Feiertage zu Jahresende hier auf der Insel. Es fällt uns schwer, so richtig in Weihnachtsstimmung zu geraten, denn das Wetter ist meist immer noch super schön (!), es gibt hier keine Tannenbäume, dafür blühen Narzissen, Kamelien, Callas und Strelitzien, Kerzen und die Weihnachtsdekoration sind noch fest verpackt im Keller und die wochenlange, unermüdliche deutsche (!) Weihnachtsmusik in den Supermärkten führt eher zu Überdruss. Nichts desto trotz feiern wir am 25. bescheiden und in trauter Zweisamkeit.
Silvester verbringen wir mit dem deutschen Ehepaar aus München. Wir stellen gemeinsam ein kaltes Buffet zusammen, welches sich als kreativ, kulinarisch hochstehend und vor allem als absolut köstlich herausstellt. Beim Schlemmen verpassen wir fast Mitternacht, schaffen es aber dennoch, ordentlich mit Champagner anzustossen auf unsere Zukunft hier und den ersten Jahreswechsel in unserer neuen Heimat.



Copyright 2005 © Quinta Perpetua