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Archiv 2005
Mai 2005
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Los
geht`s ...
Das magische Datum ist der
20. Mai 2005, weil dann unser 40-Fuss Container vorfahren und mit
unserem Hausrat beladen werden soll.
Wird der Platz reichen? Haben wir alles genügend gut vorbereitet?
Werden die Packer und Verlader auch sorgfältig mit unseren Sachen
umgehen und sie genügend gut verpacken? Wird die vorgesehene Zeit
zum Einpacken resp. Beladen auch ausreichen? Wie werden unsere
(gewerbetreibenden) Nachbarn auf den Sattelschlepper mit dem Container
darauf vor unserem Haus an der Obergasse mitten in der Winterthurer
Altstadt reagieren? Fragen über Fragen, die uns im Vorfeld doch
sehr beschäftigen. Um es kurz zu machen: die ganze Beladung mit
allem Drum und Dran verläuft bei schönstem Wetter dank vier
höchst kompetenter, gut gelaunter Fachmänner absolut
zügig und problemlos, der Container wird "nur" zu 2/3 voll und ist
an diesem Freitag Nachmittag DIE Attraktion in der Obergasse!
Nach dem ganzen "Happening" schleicht sich jedoch ein eigenartiges
Gefühl ein, als die Türen geschlossen und versiegelt werden
und unser Hab und Gut auf längere Zeit um die nächste
Hausecke verschwindet. Und ein bisschen Wehmut stellt sich auch in der
leeren, von der Abendsonne erfüllten Wohnung ein, in der wir
immerhin 12 Jahre unseres Lebens verbracht haben und die unser erstes
gemeinsames Zuhause war...
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Juni 2005
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Ankunft
in der Quinta ...
5.6.05 - das nächste
magische Datum, mindestens für Theresa: die Einwohnergemeinde
Winterthur bestätigt die Abmeldung aus der Schweiz und somit wird
sie vorübergehend "heimatlos". Die Gefühle sind gemischt:
vogelfrei oder ausgemustert?!? Die effektive Ausreise findet unter
lieber Begleitung aber ohne Peter statt, sein Arbeitsvertrag lauft erst
Ende Juli aus. Nach ein paar Tagen erholsamen Urlaubs auf der
grössten Azoreninsel Sao Miguel mit einer Freundin wird es dann
Ernst: Quinta Perpetua ist Theresas neues Zuhause!
Die Spannung steigt, denn es kann uns im Vorfeld einfach gar niemand
sagen, wann genau unser Container ankommen soll. Sehr kurzfristig
erfahren wir den Ankunftstermin und Peter reist "schnell" her, um beim
Ausladen zu helfen. Davor sind aber noch einige bürokratische
Hürden zu nehmen, weil unser Hausrat nicht aus einem EU-Land
kommt. Sie kosten ziemlich viel Geduld und starke Nerven, bescheren uns
aber auch nette Bekanntschaften und wichtige Einblicke in die
Handhabung formaler Abläufe hier auf der Insel.
Am 24.6.05 ist es dann soweit: das Containerschiff S. Rafael, welches
morgens den Hafen von Vila da Praia anläuft, hat tatsächlich
auch unseren Container an Bord! Nach knapp einer Woche und der
Beschaffung aller notwendigen Papiere dürfen wir ihn öffnen
und all unser Zeugs mit einem Lastwagen zum Haus transportieren. Nach
gut drei Stunden ist der Spuck vorbei und all unsere Kellerräume
inkl. Garage sind bis obenhin mit Kartons, Schachteln und Paketen
vollgestopft.
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Juli 2005
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Der
Garten lädt zum Ruhen ein ...
Nach Peters Abreise beginnt
der Prozess von Suchen, Auspacken, Einrichten und Versorgen, aber auch
der des definitiv Ankommens: das wunderbare Wetter geniessen, dicke
Bücher lesen, die wechselnden Stimmungen der Natur bewundern, im
Garten "grümschele" freundnachbarschaftliche Kontakte pflegen, die
letzten Ereignisse verarbeiten, es sich gut gehen lassen – SEIN.
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August 2005
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Eine
"placa" braucht es auf jeden Fall ...
Nachdem Theresa nochmals ein
paar Tage in Winterthur verbracht hat, der 1. August bei Morys in
Meilen gefeiert und die Eltern schweren Herzens verabschiedet sind, ist
es am 4. August ENDLICH so weit: gemeinsamer Abflug in Zürich in
Richtung Azoren und in eine ungewisse Zukunft. Zuversichtlich
"stürzen" wir uns in den neuen Alltag, planen mit dem
Bauunternehmer die Fortsetzung des Baus unseres neuen Wohnhauses,
besuchen mit Einheimischen den sommerlich traditionellen Stierkampf,
freuen uns über jedes Kraut und Unkraut im eigenen und im fremden
Garten (wo wir alles Essbare ernten dürfen!), beginnen mit einer
Speisepilzzucht und heissen die nächsten Einwanderer willkommen
(ein deutsches Ehepaar aus München).
Am letzten Tag des Monats erfährt unser Bau nach einem
gemächlichen halben Jahr Arbeit einen Meilenstein: Die sogenannte
"placa" (Ebene zwischen Keller und Wohngeschoss) wird unter Aufmarsch
von einer grossen Anzahl Bauarbeiter und eindrücklicher Maschinen
in Beton gegossen. Hier hat dieses Ereignis in etwa den Stellenwert der
Aufrichte in der Schweiz.
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September 2005
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Kuren
kann man auch ...
Wir glauben es kaum: nach
"nur" 6 Monaten, etwelchen beigebrachten Papieren und Dokumenten und
x-fachen Besuchen bei der zuständigen Dame von der
Gemeindeverwaltung erhalten wir unsere portugiesische
Aufenthaltsbewilligung (andere haben mehr als ein Jahr darauf
gewartet!). Nun scheinen die wichtigsten Formalitäten geregelt zu
sein, um offiziell hier leben zu dürfen. Bei nach wie vor
wunderbar warmem und schönen Wetter wagen wir es endlich, im Meer
zu baden und entschliessen uns gerade für eine Badekur:
täglich morgens im Meer schwimmen und anschliessend im Thermalbad
in der Wanne kuren. Damit wollen wir uns für den Winter wappnen,
von den wir ja nicht wissen, wie er sich hier anfühlen wird.
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Oktober 2005
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Land und
Leute kennenlernen ...
Da sich unser erste
Hochzeitstag nähert und wir ihn feiern wollen, planen wir eine
kleine Reise aufs portugiesische Festland. Davon kennen wir sehr wenig
und nehmen diesen Anlass, um die Kenntnisse über unser
Gastgeberland mindestens geographisch zu erweitern. Eine kleine
Rundreise in der Umgebung von Lissabon bringt uns über Sintra und
Ericeira nach Obidos, von da durchs Alentejo über Santarem nach
Evora und weiter über Alcacer do Sal nach Setubal und Palmela, von
wo wir zurück nach Lissabon fahren. Die Eindrücke sind
vielfältig von absolut hässlich und abstossend (Küste
zwischen Sintra und Obidos / Umgebung von Setubal) bis wunderschön
und einladend (Evora / Santarem). Gesättigt kehren wir nach Hause
zurück und richten uns auf eine ruhige Zeit ein: überwintern
auf der Insel!
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November 2005
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Jeder
braucht ein Dach über dem Kopf ...
Von wegen ruhige Zeit:
geschäftiges Treiben bricht aus in Haus und Garten. Da das Wetter
immer noch sehr gut ist, lassen sich viele liegengebliebene oder
geplante Arbeiten nun endlich erledigen. Peter baut ein Wasserreservoir
ein im Keller, damit wir jederzeit komfortabel, mit genügend Druck
und warm duschen können, im Garten wird umgegraben und gesät,
erneut machen wir Pläne für die Umgebungsgestaltung, der
erste Schnaps wird gebrannt und endlich, endlich kommen die Schreiner
und bauen das Holzgerüst für unser Dach. Nach zwei Wochen
sind sie fertig und in unserem zukünftigen Wohnraum sieht es aus
wie in einer Kathedrale!
Zudem pflegen wir Kontakte sowohl mit Einheimischen als auch mit
anderen ansässigen Ausländer/innen und verbringen viele
anregende, muntere Abende entweder als Gastgeber bei uns oder aber als
Gäste bei unseren Bekannten. Auch da werden Pläne
geschmiedet, gemeinsame Projekte ins Auge gefasst, Ideen und
Gerätschaften ausgetauscht und es wird gefachsimpelt und
phantasiert.
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Dezember 2005
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Auf den Hund gekommen ...
Der Countdown für
unsere Internetseite läuft - es gibt einfach zu wenig Regentage!
Trotzdem nehmen wir uns immer wieder Zeit um daran zu arbeiten mit dem
Ziel, bis Ende Jahr damit fertig zu sein. Peter geht auf
Entdeckungsreisen im Gestaltungsprogramm und fördert Erstaunliches
zu Tage und Theresa schreibt Texte, überlegt, was Leser/innen
interessieren könnte, stöbert in einschlägiger Literatur
und natürlich auch im Internet und wählt passende Bilder aus.
Gleichzeitig laufen die Arbeiten am Dach auf Hochtouren, Ziegel um
Ziegel wird gelegt und befestigt, während im Haus an den
elektrischen Leitungen gearbeitet wird.
Eines Tages stösst Max zu uns, der Hund eines unserer Bekannten.
Andreas möchte über die Feiertage nach Deutschland , mag
seinem 8 jährigen Hund aber die Reise nicht aufbürden. So
kommt Max halt zu uns in die Ferien und wir machen unsere allerersten
eigenen Hundeerfahrungen. Sofort stellt sich ein anderer Tagesrhythmus
ein und das Leben wird gesünder: dreimal am Tag bei jedem Wetter
mit Max unterwegs sein macht fit und widerstandsfähig. Zudem
bewacht er uns und sorgt mit seiner drolligen Art für etwelche
Heiterkeit.
Zum ersten mal verbringen wir auch die Feiertage zu Jahresende hier auf
der Insel. Es fällt uns schwer, so richtig in Weihnachtsstimmung
zu geraten, denn das Wetter ist meist immer noch super schön (!),
es gibt hier keine Tannenbäume, dafür blühen Narzissen,
Kamelien, Callas und Strelitzien, Kerzen und die Weihnachtsdekoration
sind noch fest verpackt im Keller und die wochenlange,
unermüdliche deutsche (!) Weihnachtsmusik in den Supermärkten
führt eher zu Überdruss. Nichts desto trotz feiern wir am 25.
bescheiden und in trauter Zweisamkeit.
Silvester verbringen wir mit dem deutschen Ehepaar aus München.
Wir stellen gemeinsam ein kaltes Buffet zusammen, welches sich als
kreativ, kulinarisch hochstehend und vor allem als absolut
köstlich herausstellt. Beim Schlemmen verpassen wir fast
Mitternacht, schaffen es aber dennoch, ordentlich mit Champagner
anzustossen auf unsere Zukunft hier und den ersten Jahreswechsel in
unserer neuen Heimat.
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